Medienmitteilung der internationalen Kerngruppe nach der Ablehnung des Naturpark-Projekts im Prättigau (24. März 2021)

 

Gemeinsame Entwicklungsideen auch ohne den Internationalen Naturpark Rätikon

 

 

Nachdem im Prättigau die Idee eines Internationalen Naturparks Rätikon von den Gemeinden abgelehnt worden ist, haben sich die Kerngruppen des Projektes aus allen drei beteiligten Ländern am Dienstag 23.3.2021 zu einer Standortbestimmung getroffen

 

 

Die Enttäuschung über das negative Votum aus der Schweiz ist bei den Projektakteuren in allen Teilregionen gross. Die Grundidee eines grenzübergreifenden Naturparks kann nicht mehr weiterverfolgt werden. Damit die bisherigen Arbeiten aber doch noch konstruktiv genutzt werden, möchten die beteiligten Partner darüber diskutieren, wie die entstandenen Ideen und Kontakte erhalten bleiben. Der Naturpark hätte unter anderem die Gestaltung eines neuen Denk- und Entwicklungsraumes rund um den Rätikon ermöglicht. Dieser Ansatz stellt auch weiterhin ein grosses noch brachliegendes Potenzial für alle beteiligten Regionen dar. Auch wenn diese gemeinsame Aufbauarbeit nun nicht unter dem Dach eines Naturparks institutionalisiert werden kann, wäre es trotzdem möglich, dass ausgewählte Projekte weiterverfolgt werden. Wie allenfalls die inhaltliche Ausgestaltung und die Organisation eines gemeinsamen «Entwicklungsraumes Rätikon» genau aussehen könnte, wird in den nächsten Monaten mit den beteiligten Partnern diskutiert und abgeklärt.

 


Das Projekt in Kürze

In der Gebirgslandschaft des Rätikons werden für 30 Gemeinden aus der Schweiz, Vorarlberg und Liechtenstein

die Grundlagen für einen grenzüberschreitenden Internationalen Naturpark mit einer Fläche von über 1100 Quadratkilometern erarbeitet. Dies in enger Zusammenarbeit und unterstützt vom Kanton Graubünden, dem Bundesland Vorarlberg und dem Land Liechtenstein.

 

Dieser Park wäre der einzige Drei-Länder-Naturpark sowie flächenmässig
einer der grössten Naturparks im Alpenraum.

 

Seit Juni 2019 liegt die breit angelegte Machbarkeitsstudie liegt mit einem positivem Fazit vor: der Rätikon wäre mit seinem Natur- und Kulturreichtum, den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen sowie aufgrund der Marktpotenziale sehr gut geeignet für einen Regionalen Naturpark.

 

Für die weitere Umsetzung wurde im Herbst 2019 mit der Erarbeitung des Managementplans begonnen. In diesem werden Inhalte, Organisation und Finanzierung des Naturparks detailliert aufgezeigt.
Für das Teilprojekt Prättigau liegt der Managementplan vor.

 

Für die konkrete Umsetzung war gemäss den Vorgaben in der Schweiz die Zustimmung der Gemeinden einzuholen. Diese Gemeindeabstimmungen haben in allen Prättigauer am ersten Märzwochenende 2021 stattgefunden. Zur grossen Überraschung der Projektverantwortlichen haben sich alle Gemeinden gegen die Naturpark-Pläne gestellt und das Projekt verworfen. Im Prättigau wird somit kein Naturpark errichtet!
Zur Medienmitteilung und Einordnung

Visuelles Verlaufsprotokoll der Workshops vom 7. Juni 2018 in Vandans (A) von Anna Egger.

Wie die Idee entstand

 

Die Idee eines Regionalen Naturparks Rätikon wurde von der Regionalentwicklung Prättigau/Davos mit der Zielsetzung aufgegriffen, das Potenzial und die Chancen im natur- und kulturnahen Tourismus im Rätikon besser zu nutzen und eine tragfähige Plattform für Entwicklung und Betrieb von Angeboten und Dienstleistungen zu schaffen.

 

Aufgrund der Lage und der sehr guten  Erfahrungen im Rahmen von Interreg-Projekten war die Grenzüberschreitung in Richtung Montafon/Walgau/Brandnertal in Vorarlberg und auch ins Fürstentum Liechtenstein eine sehr naheliegende Idee. Nach positiven Vorabklärungen wurde im Herbst 2017 mit der Erarbeitung der Machbarkeitsstudie begonnen. Für die fachliche Umsetzung ist in allen drei Ländern die Forschungsgruppe Tourismus und Nachhaltige Entwicklung der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) unter der Leitung von Stefan Forster und Birgit Reutz verantwortlich.

Nachhaltige Entwicklung als Ziel

 

Der Mehrwert eines Regionalen Naturparks liegt in einer gemeinsamen Grundhaltung der beteiligten Gemeinden, in der Definition von gemeinsamen Zielen und Projekten. Regionale Naturpärke setzen sich für den Erhalt und die Aufwertung der vorhandenen Natur- und Kulturwerte ein und streben eine nachhaltige regionale Entwicklung an. Dafür stehen in der Parkorganisation Fachleute und Mittel zur Verfügung. Dass diese Mittel eine nachhaltige Wirkung erzielen, zeigt unter anderem diese Studie der ETH Zürich. Zudem profitieren die Gemeinden massgebend von Geldern, die von Ländern bzw. Kanton beigesteuert werden.

 

Sehr wichtig ist: aus einem Regionalen Naturpark ergibt sich kein zusätzliches Naturschutzgebiet, denn ein Naturpark ist kein Nationalpark mit strengen Schutzbestimmungen. In einem Naturpark gelten keine neuen Gesetze und Verordnungen, auch ergeben sich keine Veränderungen für Landwirtschaft, Alpen, Jagd, Forst, Wanderwege usw. Bestehende Regelungen gelten weiterhin.

Schritt für Schritt

 

Aufgrund des sehr positiven Fazits der Machbarkeitsstudie wird nun als zweiter Schritt der Managementplan erarbeitet. Dieser ist vergleichbar mit einem detaillierten Plan für ein Bauprojekt:  Für den Internationalen Naturpark Rätikon wird ein Haus geplant, in dem jedes Land ein eigenes Zimmer bezieht, ausstattet und das weitere Gebäude samt Dach mitfinanziert. Wie viele Leute in diesem Haus arbeiten, welche Aufgaben sie haben und wie genau das finanziert wird - all das muss mit dem fertigen Managementplan bekannt sein.

 

 


Kontaktpersonen Teilprojekte Schweiz, Liechtenstein und Vorarlberg

SCHWEIZ

 

Region Prättigau/Davos

Georg Fromm

Regionalentwickler

 

Tel. +41 81 414 32 31

E-Mail

 

LIECHTENSTEIN

 

Ministerium für Infrastruktur, Wirtschaft und Sport
Cornelia Marxer-Broder

Tel. +423 236 61 79
E-Mail

 

VORARLBERG

 

Stand Montafon

Bernhard Maier

Standessekretär

 

Tel. +43 (0) 5556 72132 12
E-Mail